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Tag 122 – Mario und Fernanda in San Salvador

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Die letzten Tage hatten wir immer wieder Kontakt über Whatsapp zu Mario aus San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador. Mario hat einen kleinen Motorradladen in dem er Husquanas, Touratech-Teile und Heidenau-Reifen verkauft. Da sich unser Hinterradreifen so langsam verabschiedet, habe ich schon seit Guatemala einen Ersatz gesucht. Julio aus Antigua hat den Kontakt zu Mario vermittelt. Mario hat den richtigen Reifen auf Lager und hat uns sogar angeboten bei ihm zuhause zu übernachten. Mit Hilfe seiner GPS Koordinaten finden wir auch sein Geschäft problemlos. Die Fahrt von Santa Ana nach San Salvador geht recht flott und wir sind schon um die Mittagszeit da.

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Kurz nach unserer Ankunft kommt noch eine KTM 1190 Adventure R angefahren, das gleiche Modell wie Berta. Der Fahrer ist unschwer zu erraten, Mario zusammen mit seiner Tochter Fernandita. Jetzt ist auch die Frage geklärt, warum Mario im Mail so sicher behaupten konnte, dass er den richtigen Reifen für uns hat. Da unser gutes Stück noch einen ganz kleinen Rest übrig hat, man wird ja geizig mit der Zeit, haben wir beschlossen den neuen Reifen mitzunehmen und erst später zu montieren.

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Wie vorher schon berichtet ist einer unserer Seitenkoffer nach einem Umfaller undicht geworden. Die Jungs in Marios Werkstatt können ihn zwar nicht ausbeulen aber dafür wird er mit Silikon wieder komplett versiegelt.

Mario muss leider ins Krankenhaus zu seinem Vater, von unserem Einwand wir könnten uns auch ein Hotel suchen, will er aber nichts wissen. Er verspricht am Abend zurückzukommen. Fernandita seine 16jährige Tochter soll uns zu Ihm nach Hause begleiten. Als der Fahrer mit seinem grossen SUV gekommen ist, wissen wir auch wie.
Wir fahren dem SUV durch die Stadt hinterher und kommen in ein sehr schönes Villenviertel.

Berta steht in einer grossen Garage neben einer KTM 690 Enduro und einer BMW 1200 GS und zwei SUVs, alles Marios Spielzeuge.
Kaum geparkt kommt auch Fernanda, Marios Ehefrau und begrüsst uns gleich herzlich.
Der Fahrer trägt unser Gepäck nach oben und wir stehen in einem sehr schönen, grossen Haus mit Blick über die Stadt und auf die Vulkane.

Mario hat laut Julio noch ein Bauunternehmen und macht das Mopedgeschäft als Hobby nebenbei. So wie es ausschaut laufen die Geschäfte sehr gut. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, gibt es gleich einen grossen Topf Pasta zur Stärkung. Neben dem Fahrer hat es auch noch Betty die Köchin, die sich um solche Sachen kümmert.

Fernanda und Fernandita besuchen am Nachmittag noch la Abuela, die aus Guatemala angereist ist  und so finden wir uns nach dem Essen alleine in der grossen Villa. Hat sich am Anfang etwas komisch angefühlt, aber wir wussten die Zeit zu nutzen. Das Haus ist wirklich schön, aber auch extrem gesichert. Alles ist mehrfach verriegelt und im Garten gibt es nach allen Richtungen massive Stacheldrahtrollen. Hätten wir am Nami das Gelände verlassen, wären wir auch nicht mehr hinein gekommen :-).

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Reichtum in einem armen Land ist nicht ganz einfach und man muss immer auf der Hut sein, nicht überfallen zu werden. El Salvador hat grosse Probleme mit Banden, die immer wieder Überfälle machen. Ein Grund warum auch alle Autos verdunkelt sind und man nicht hineinschauen kann. So weiss ein Verbrecher nicht, ob nur ein Mädel oder 5 Bewaffnete im Auto sitzen.

Am Abend kommt dann auch Mario nach Hause. Fernanda hat uns schon informiert, dass wir um 8.00h zum Essen gehen werden.  Esta bien? Aber sehr gerne doch.

Mit dem SUV geht es zu fünft durch die Stadt und an einer kleinen Brauerei mit Gaststätte halten wir. Das Auto wird beim Valet-Parking abgeben, freie Parkplätze sind gesucht. Mario ist selbst gefahren, da der Fahrer & Helfer im Haus am Samstag nur bis 13 Uhr arbeitet. Wahrscheinlich ist einer seiner Hauptaufgaben auch Fernandita sicher in die Schule zu bringen.

In der Brauerei läuft laute Livemusik – laut Fernanda hat jemand Geburtstag, da wird dann gleich eine Band engagiert. Wir können auch gleich ein Biertasting machen und es gibt ein leckeres Steak zum Essen. Schon vor dem Essen erklären wir, dass wir die drei einladen wollen, bekommen aber gleich den Schneid abgekauft.

Fernanda erklärt das Mario in El Salvador el Jefe ist und wenn er uns einlädt auch bezahlen wird. Ok, keine Chance zur Gegenrede, aber wir einigen uns auf eine Alternative. Mario vertreibt für den deutschen Motorrad-Abenteuer-Ausstatter Touratech Teile in Central America und kommt daher auch immer mal wieder nach Deutschland.
Touratech sitzt im Schwarzwald und ist quasi vom Bodensee um die Ecke. Also vereinbaren wir einen Gegenbesuch, wenn sie das nächste Mal im Schwarzwald sind.

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Vielleicht treffen wir Mario und Fernanda sogar noch früher, da sie im November auch mit dem Moped Richtung Patagonien starten wollen. Sie wollen immer einen Monat fahren, das Moped dann abstellen, zurück nach Hause einen Monat arbeiten und dann wieder weiter. Die Chancen stehen somit gut uns wieder zu begegnen.

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Ulli, Fernandita & Fernanda

Tag 71- Wo sind die Papiere?

Der letzte Tag in San Antonio. Wir treffen noch einige Vorbereitungen für die Einreise in Mexico und haben auch noch ein paar Besorgungen zu erledigen. Zurück im Hotel wundere ich mich aber, wo meine Fahrzeugpapiere incl. Führerschein und Personalausweis sind.

Kurz bevor wir losgefahren sind, hatte ich sie noch in der Hand um eine Versicherung für Mexico abzuschliessen, die man bei der Einreise vorweisen muss. Eigentlich sind die Papiere immer in meiner Hose, wenn wir irgendwo hingehen. Diesmal hatte ich sie wohl im Hotelzimmer vergessen. Also durchsuchen wir das ganze Zimmer inkl. Taschen … aber leider erfolglos. So ein Mist und das ein Tag bevor wir über die Grenze wollen.

Was tun? Viele Möglichkeiten bleiben nicht, also fahren wir die Strecke zurück, die wir vorher gefahren sind und versuchen im dichten Verkehr unsere Fahrzeugpapiere auf der Strasse zu finden. Im ersten Geschäft in dem wir waren, frage ich nach aber dort wurde nichts gefunden. Die nächste Station ist ein Deli in dem wir zum Lunch waren.

Tatsächlich! Das Mädel an der Kasse geht zum Manager und von weitem kann ich schon die kleine Mappe mit den Dokumenten in Ihrer Hand sehen als sie zurückkommt. Mehrere Felsbrocken fallen mir vom Herzen. Wir haben zwar Kopien von allem aber trotzdem wären wir wohl kaum ohne enormen Aufwand über die Grenze gekommen.

Als wir im Hotel zurück sind, haben wir Besuch von Bob Lindner, einem Mopedfahrer aus San Antonio. Bob habe ich im Adventure Rider Forum kennengelernt und er versorgt uns noch mit wertvollen Tips für Mexiko. Er rät uns auch eine Hülle für das Moped zu kaufen, um den Schutz vor Diebstahl zu erhöhen. Thanks a lot Bob for your valuable hints.

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Tag 31 – Back in the USA

Wir haben gestern noch neue Nachbarn auf dem Campground bekommen. Zwei Jungs, die mit einem selbstgebauten Liegerad auf drei Rädern quer durch Canada fahren, 4000 Kilometer haben sie schon bis Vancouver gemacht. Stolz zeigen sie uns ein Video, wo sie mit 76 km/h einen Hügel runter fahren, gut dass beide einen Helm tragen.

Wir brechen heute unser Zelt ab und fahren nach Seattle in Washington. Nicht mehr weit vor der Grenze machen wir noch einen Stopp um unsere letzten kanadischen Dollar auszugeben und etwas zu essen. Wir landen in einem vietnamesischen Restaurant in dem ausschliesslich Vietnamesen sind … und wir. Die Bedienung erklärt uns genau was es zu essen gibt, da wir von den meisten Speisen noch nie etwas gehört haben. Wir bestellen Frühlingsrollen in Reispapier mit Shrimps und Schweinefleisch und eine Suppe mit Vermiselli-Nudeln und Meeresfrüchten. Das war echt super und macht Lust auf Vietnam.

Jetzt geht es weiter Richtung Grenze. Wir sehen noch einen Waldbrand, der eine riesige Rauchwolke produziert. An der Grenze stehen wir im Stau. Wir können durch geschicktes Manövrieren ein paar Meter gut machen und endlich sind wir nach ungefähr 30 Minuten dran. Der Grenzer schaut unser Nummernschild an und muss erst einmal in einem Buch nachschlagen, wie er es einzuordnen hat.

Diesmal gibt es keine Fragen nach Guns, sondern nur wie lange wir bleiben wollen, warum und ob wir in der USA arbeiten möchten. Wir verschweigen tunlichst den Apfel den Ulli geschmuggelt hat und auch ein altes Stück Holz, das wir illegal einführen. Hier muss ich eine kurze Erklärung einschieben.

Das Aufbocken unserer Berta mit allem Gepäck war jedes Mal eine echte Herkulesaufgabe. Alleine hatte ich überhaupt keine Chance und ohne Ullis Mithilfe hätten wir sie nie auf den Hauptständer bekommen. Ich habe länger recherchiert und gegrübelt, ob ich nicht den Hauptständer umbauen lassen soll. Am Ende habe ich in einem Forum gefunden, das jemand ein Holzbrett genommen hat um die alte BMW seines Vaters aufzubocken. Die Idee fand ich einen Versuch wert und zufällig habe ich auf dem Campingplatz ein Brett gefunden, das genau richtig war. Jetzt fahren wir mit dem Hinterrad auf das Brett und schon geht das Aufstellen wie von alleine. Die gute alte Physik hilft doch immer wieder.

Holz darf man allerdings nicht in die Staaten einführen, deshalb haben wir unser neues Tool gut unter den Taschen versteckt. Der Zöllner kontrolliert nicht weiter, kommentiert nicht mal den handschriftlichen Eintrag vom letzten Grenzübertritt und schon sind wir in den USA. Wir bleiben auf den grossen Highways und fahren nach Seattle, wo wir Doug und Penny besuchen wollen.

Als wir ankommen, sind wir erst einmal geplättet – eine bessere Lage für ein Haus kann man sich kaum vorstellen. Sie wohnen etwas ausserhalb von Seattle in einem kleinen Ort direkt an der Steilküste mit einem wahnsinnigen Blick auf den Pazifik. Wir werden ganz herzlich begrüsst und dürfen die Nacht im Zimmer einer der beiden Töchter verbringen. Es gibt sehr leckeres Homemade Abendessen und ein gutes Bier … fast wie zu Hause. Doug richtet gerade seine Tourenski, da er ein paar Tage später mit seiner Tochter Brita eine Skitour machen möchte, nur 1 Stunde von Seattle entfernt.

Tag 27 – Carol und Dan

Heute wollen wir nach Qualicum Beach, um Carol und Dan zu besuchen.

Wir kommen gegen 13:00 Uhr an und werden ganz herzlich von Dan empfangen. Die beiden wohnen in einem sehr schönen Haus, direkt am Rande eines Golfplatzes und nur ein paar Meter vom Ozean entfernt. Dan bietet uns spontan an, die Nacht bei Ihnen im Gästezimmer zu verbringen.

Wir machen einen kleinen Spaziergang ans Meer und Dan zeigt uns die Nachbarschaft.
Beide haben einige Zeit in Deutschland gelebt und waren Lehrer für die Kinder Kanadischer Soldaten, die in Deutschland stationiert waren. Später kommt auch Carol von einer Yogastunde nach Hause. Sie freuen sich, dass wir Ihr Angebot annehmen und bleiben. Wir fahren mit dem Auto noch ein wenig durch die Gegend und Carol zeigt uns die Sehenswürdigkeiten rund um Qualicum Beach.

Wir halten noch an einem Laden namens Goats on Roof an. Hier gibt es Pumpernickelbrot J und Schweizer Käse aus Kaltbach (in der Nähe von Sursee) zu kaufen. Die Ziegen auf dem Dach sehen wir auch und natürlich viele Touristen, die wie wir Produkte aus der Heimat kaufen. Qualicum Beach ist ein wunderschöner Flecken auf dem man es sehr gut aushalten kann.

Beim Abendessen erzählt Dan das er 7 Jahre bei den Mounties war der berühmten berittenen Polizei Kanadas. Ein echter Mounty, wer hätte das gedacht.

Tag 17 – Shit happens on the Alaska Highway

Diesmal verlassen wir Whitehorse endgültig und fahren auf dem Alaska Highway Richtung Süden, 450 km liegen vor uns.

Nach ca. 170 km machen wir einen Tankstop in Teslin Lake und essen eine Kleinigkeit zu Mittag. Auf der Route sind einige Motorräder unterwegs, die aber fast alle nach Alaska fahren wollen. So gibt es bei jedem Stopp immer wieder nette Gespräche mit anderen Bikern.

Als wir in Teslin starten, müssen wir gleich über eine Brücke, die nur einen Gitterrost als Fahrbahn hat. Auf der Brücke verhält sich unsere Berta schon etwas merkwürdig, was wohl dem Gitter zuzuschreiben ist.

Aber auch auf der Strasse lässt das etwas andere Fahrverhalten nicht nach. Jeden Tag wollte ich mal den Reifendruck zu überprüfen, wir sind doch schon über 4000 Kilometer unterwegs. Egal das wird schon halten, heute Abend werde ich aber auf jeden Fall die Reifen kontrollieren.

Wir schaffen noch 30 km, dann passiert es. Bei etwa 100 km/h bricht das Motorrad aus und schleudert wild über die Strasse. Verdammt der Vorderradreifen, mit extrem viel Glück kann ich Berta halten und wir bleiben ohne zu stürzen stehen. Das war wirklich knapp! Ein schneller Check bestätigt die Vermutung, wir haben einen Platten.

Ok, wir haben Werkzeug dabei und einen Ersatzschlauch, ausserdem hat mir Hagen zu Hause ausführlich gezeigt, wie ich den Reifen auf meiner XT500 wechseln muss.

Es halten auch gleich ein paar Biker an, aber ich winke dankend ab, dass kriege ich auch alleine hin. Wir stellen Berta auf den Hauptständer und Ullis Einwand, das Motorrad steht nicht ganz gerade, ignoriere ich.

Das Vorderrad ist schnell ausgebaut und mit dem ganzen Gepäck hintendrauf stand das Rad vorne sowieso in der Luft. Ventil rausgedreht und die Luft herausgelassen, da gibt es einen Schlag.
Berta ist seitlich umgefallen.
SCHEISSE.

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Die geöffneten Koffer haben sich auf die Strasse entleert und ich stehe da wie ein Volltrottel. Wie bekommen wir ein Motorrad ohne Vorderrad wieder auf den Hauptständer?

Zum Glück hält ein Auto und der Fahrer hilft mir die Maschine wieder aufzurichten.
Beim zweiten Versuch klappt es dann endlich. Es sieht so aus, als hätte die Gabel keinen Schaden genommen.

Ulli bleibt jetzt als Sicherung beim Motorrad stehen um einen zweiten Sturz zu vermeiden. Ich mache mich daran den Reifen zu demontieren, aber das geht deutlich schwerer als gedacht. Mittlerweile ist ein Wohnmobilfahrer gekommen und bietet seine Hilfe an. Diesmal nehme ich gerne an.

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Das Felgenband ist gerissen und mit Bills Hilfe umwickeln wir die Felge mit Klebeband um das kaputte Band zu fixieren. Nach ein paar Versuchen haben wir das hinbekommen. Jetzt den Reifen auf einer Seite wieder auf die Felge, auch das geht deutlich schwerer als zu Hause. Es halten immer wieder Leute an und fragen ob sie helfen können. Auf dem Alaska Highway herrscht nicht viel Verkehr, aber alle 5 bis 10 Minuten kommt ein Fahrzeug. Ich stopfe den neuen Schlauch in den Reifen und dann versuchen wir die zweite Seite des Mantels über die Felge zu bekommen.

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Mittlerweile zu dritt wuchten wir an dem Rad herum, aber das Drecksding will nicht mehr auf die Felge rutschen. Da war doch noch was … stimmt wir brauchen Schmiermittel, dafür nehmen wir dann Spülmittel aus unserer Bordküche. Leider sind jetzt auch die Montiereisen so glitschig, dass man kaum noch Kraft anwenden kann.

Ich bin mittlerweile nassgeschwitzt (Ulli bewacht immer noch Berta) und auch schon recht fertig. Irgendwie unter Zuhilfenahme eines Hammers und eines grossen Schraubenziehers von Bill schaffen wir es dann endlich. Der Einbau des Rades geht dann recht schnell. Nur sieht der Reifen noch etwas unrund aus. Egal es wird schon gehen. Ich bedanke mich bei meinen zwei Helfern und sie fahren auch erleichtert weiter.
Jetzt noch eine schnelle Probefahrt und dann soll es weitergehen. Ab ca. 20 km/h fängt das Rad an zu springen, ich habe eine Riesenunwucht.

Während der Probefahrt kommt mir ein Biker mit einem Rallyebike und englischer Zulassung entgegen. Er fragt auch gleich, ob er helfen kann. Ich erkläre, dass ich einen Platten hatte aber jetzt wieder alles gut ist. Kaum ist er weitergefahren denke ich mir, dass das wohl ein Fehler war. Denn er sah aus wie jemand, der schon mehr Reifen geflickt hat.

Zurück bei Ulli, sage ich dass wir wohl nur noch sehr langsam fahren können, aber bis in eine Unterkunft sollten wir es schaffen. Da kommt der Englische Biker zurück und fragt ob wirklich alles in Ordnung ist 🙂

Ich erkläre ihm die Misere und er sagt kein Problem und packt gleich an. Wir lassen noch mal die Luft aus dem Reifen und versuchen den Mantel besser zu platzieren, leider hilft das nicht.
Also schlägt er vor, dass wir das Rad nochmal ausbauen und den Mantel runter nehmen.
Lyndon aus England ist Halbprofirennfahrer, der seit 3 Jahren mit seiner Werksrallyemaschine um die Welt fährt. Dabei nimmt er immer wieder an Rallys teil.
Er will noch schnell zum nördlichsten Punkt Alaskas fahren um dann im Januar in Paraguay bei der Rallye Dakar zu starten.

Er zeigt mir, wie man das Vorderrad ohne Demontage eines Bremssattels ausbauen kann und erklärt wie ein Reifen am besten zu wechseln ist. Mein Schlauch war übrigens verdreht und vom Mantel eingeklemmt. Bei ihm geht das alles ruckzuck und nach einer halben Stunde und vielen hilfreichen Tips und Tricks ist alles wieder fertig montiert. Er schenkt uns sogar noch einen Ersatzschlauch. Ulli dokumentiert alles mit dem Fotoapparat damit wir beim nächsten Mal wissen, was zu tun ist.
Insgesamt 3 Stunden hat uns die gesamt Panne gekostet und ohne Lyndon wären wir wohl kaum 10 km weiter gekommen. Wir werden bei künftigen Reifenpannen noch oft an Lyndons Unterricht denken! 🙂

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Er gibt uns noch seine Webadresse und erzählt, dass er einen Youtubechannel mit  70 000 Followern hat. In uns macht sich Ehrfurcht breit!

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Da er uns auf dem Rückweg von Alaska irgendwo überholen wird, vereinbaren wir uns dann zu treffen, damit wir mit ein paar Bierchen und einem Abendessen unsere Schuld ein wenig begleichen können. Seine Adresse lautet übrigens: www.racestoplaces.com

Weiter geht es auf dem Alaska Highway. Unser Etappenziel Watson Lake liegt noch rund 170 km entfernt. Alle Biker die uns entgegenkommen grüssen, fast wie zu Hause.
Auf einem längeren Stück Schotterstrasse kommt uns dann eine Gruppe mit 20 Harleys entgegen. Diesmal grüsst niemand von den coolen Jungs, wahrscheinlich irgendeine Gang oder einfach die Hosen voll auf Schotter … denkt sich der Ex-Harley-Fahrer Gerhard. Ich gebe Gas, dann müssen sie halt unseren Staub schlucken.

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Kurz vor dem Ziel, sehen wir ein Wohnmobil am Wegesrand halten und wir bleiben auch stehen. Nur 10 Meter von uns entfernt sitzt ein riesiger Grizzlybär im Gebüsch.
Ulli versucht zu fotografieren, aber leider klappt es nicht – egal manche Bilder bleiben auch im Kopf erhalten.

Kurz vor Watson Lake kommt Nugget City, keine Stadt sondern nur ein paar Häuser. Aber ich bin schon so groggy, dass wir hier etwas essen und uns ein Minizimmer für die Nacht nehmen. Oh Mann, what a Day.

Tag 7 – Ashleigh und Ross

Die Wettergötter sind heute mit uns, strahlender Sonnenschein erwartet uns nach dem aufstehen. So zeigt sich Alaska von seiner schönsten Seite. Schneebedeckte Berge entlang der Strasse nach Anchorage und sommerliche 17 Grad.
Unterwegs hören wir ein leichtes Quietschen, können es aber nicht genauer lokalisieren.
Egal das Quietschgeräusch ist nicht so laut und wir fahren weiter.

In Anchorage machen wir noch einen kurzen Zwischenstopp und kaufen uns ein Kommunikationssystem, um unterwegs besser reden zu können und auch etwas Musik zu hören. Den Einbau in die Helme verschieben wir aber auf später.

Nach Anchorage sind es noch ca. 60 km weiter nach Eagle River zum Haus von Ashleigh und Ross. Es geht wieder in die Berge und wir finden Ihr Haus auch sofort.
Erstmal sind wir sprachlos. Eine fantastische Lage mit fantastischer Aussicht erwartet uns, das Haus ist riesig und sehr modern und gemütlich. Nach einer ganz herzlichen Begrüssung, dürfen wir unsere Wäsche waschen und das Berta einen Schlafplatz in der Garage. Bei strömenden Regen haben wir ein leckeres Barbecue und guten Wein. Beide sind sehr lieb und besorgt, dass es uns an nichts fehlt. So kann man es aushalten. Wir haben einen tollen Abend unterhalten uns über das Reisen und Gott und die Welt. Ross arbeitet in den Ölfeldern und ist Hobbypilot. Ashleigh fotografiert Flugzeuge, aber nicht am Boden sondern von einem Flugzeug zum anderen. Ihre Bilder kann man auf www.alaskaprophoto.com bewundern.
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