Tag 219 – Auf nach Bolivien

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Wir sind wieder einigermassen fit und machen uns zeitig auf den Weg in Richtung Bolivien. Unser Ziel ist La Paz und wir wollen auch auf die Rally Dakar treffen, die dort einen Ruhetag einlegt.

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Erst müssen wir ungefähr auf halber Strecke die Grenze überqueren. Die ist auch nicht zu übersehen, an beiden Seiten der Grenzbrücke ist ein wildes dichtes Personengewusel.

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Die Einheimischen scheinen die Grenze ohne Kontrolle passieren zu dürfen. So sehen wir viele Leute, die beladen mit Waren aller Art die Grenze in beiden Richtungen passieren. Die Huttracht scheint in beiden Ländern ziemlich einheitlich zu sein und wir sehen alle Arten von Melonen oder wie auch immer die Hüte genannt werden.

Das Procedere ist wie schon zuvor, Personen abmelden, Moped abmelden, über die Grenze und dann beides wieder anmelden. Ulli stellt sich brav an und erledigt Dank Ihres eindeutig besseren Spanisch alle Formalitäten.

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Was sich so einfach anhört, braucht aber insgesamt über 2 Stunden bis wir den finalen Stempel und somit die Erlaubnis haben nach Bolivien einzureisen.

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Wir müssen uns noch durch das Getümmel auf der bolivianischen Seite schlagen, aber nicht lange und wir sind wieder auf der Strasse.

Weiter geht’s nach La Paz, es liegen nur noch knapp 100 Kilometer vor uns. Rein optisch unterscheidet sich Bolivien kaum von Peru, die Menschen sehen gleich aus und auch die Landschaft ist die Selbe.

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Auf dem Weg nach La Paz kommen uns allerdings viele Motorräder entgegen, die wohl alle zur Dakar wollen. Am nächsten Tag startet die Dakar in Oruro, fährt hoch zum Titicacasee und anschliessend nach La Paz.

Die Fans wollen den Dakartross am See treffen und ein Stück vom Rennen sehen. Wir werden die Dakar morgen in La Paz empfangen. Bald darauf kommen wir am Rande von La Paz an, der immer noch auf 4100 Meter liegt. Danach fahren wir viele, viele Kurven nach unten. Der tiefste Punkt der Stadt liegt nur noch auf 3200 Meter . Kaum nähern wir uns dem Zentrum stecken wir auch schon in einem massiven Stau. Zwei Mopedfahrer erklären uns, dass die Innenstadt wegen der Rally gesperrt wird. Da hilft nur noch gnadenloses durchschlängeln unter zu Hilfenahme aller legalen und illegalen Mitteln.

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Nach knapp einer Stunde ist dann auch die letzte Etappe geschafft. Unser Hotel liegt mitten im Zentrum und ganz Nahe bei dem Platz, wo die Dakar morgen offiziell begrüsst wird. Als erstes erklärt man uns, dass wir keinen Parkplatz reserviert hätten. Es braucht einige Diskussion um einen Platz auf dem Parkdeck zu bekommen und so ist auch Berta sicher aufgehoben.

Tag 217 & 218 – Kaka am Titicacasee

Am nächsten Tag erkunden wir den Ort, der wieder einmal recht touristisch ist … zumindest der Hauptplatz und das Seeufer.

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Eigentlich wollten wir auch einen Ausflug auf eine der bekannten schwimmenden Inseln machen. Aber jegliche Information, die wir bekommen sagt immer wieder das gleiche. Die Inseln sind zwar schön aber eine reine Touri-Veranstaltung mit dem Ziel möglichst viel Souvenirs zu verkaufen. Darauf haben wir irgendwie keine Lust, also bleiben wir in Puno und gönnen uns ein wenig Ruhe. Wir schlendern durch den Ort und an das Seeufer. Direkt am Ufer sehen wir auch eine Familie Cuys, die hier wie auch schon in Ecuador häufig auf der Speisekarte landen.

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Da die Benzinversorgung in unserem nächsten Ziel Bolivien noch schlechter werden soll, machten wir uns auf die Suche nach einem Ersatzkanister. Um nicht die ganze Stadt ablaufen zu müssen, haben wir ein Taxi angehalten und gefragt ob er einen geeigneten Platz hierfür weiss. Der Fahrer hat gleich mit Kollegen telefoniert und rumgefragt, dann sind wir zu einem grossen Marktplatz gefahren, wo es alles gibt was man so zum Leben benötigt. Töpfe, Pfannen, Werkzeug, Lebensmittel und so weiter. Ein Stand direkt an der Strasse hatte auch Kanister. Nach einigem hin und her und mit Hilfe unseres Fahrers konnten wir dann zwei kleine Kanister für umgerechnet 1,40 Euro erstehen.

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Am Abend gehen wie in ein Restaurant mit günstigem Tagesmenu und es gibt sogar ein Eis zum Nachtisch. Leider war das ein Riesenfehler :-(.

Schon auf dem Rückweg zum Hotel macht sich mein Magen bemerkbar. Kaum im Zimmer angekommen muss ich auch schon auf die Toilette. Was soll ich sagen, den Grossteil der Nacht habe ich dort verbracht und alles von mir gegeben, was ich vorher zu mir genommen habe. Auch Ulli ging es leider nicht besser. Sie hat zwar ab Abend länger durchgehalten, aber dafür ging es Ihr am nächsten Morgen immer noch extrem schlecht. Ich hatte mich zum Glück wieder etwas erholt, aber Ulli litt noch den ganzen Tag. Dazu kam die Höhe von über 4000 Meter, was der ganzen Situation nicht gerade zuträglich war. Als erstes haben wir unseren Aufenthalt verlängert und zum Glück hatte das Hotel auch Sauerstoffflaschen, sodass ich Ulli mit Frischluft versorgen konnte.

Am Abend konnten wir dann auch so langsam wieder etwas Nahrung zu uns nehmen. Das Thema Helado (Eis) bleibt aber bis auf weiteres gestrichen.

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Am nächsten Tag war es dann langsam wieder besser und wir konnten uns Gedanken um die Weiterfahrt machen.

Tag 216 – Yangue nach Puno/Titikakasee via Colca Canyon

Obwohl unser heutiges Ziel der Titikakasee ist, wollen wir zuvor auch noch den Colca Canyon  erkunden.  Laut den Tafeln, die den Weg säumen sind wir am Weg zum tiefsten Canyon der Welt. Na gut, wenn die Berge ringsum schon über 5000 Meter messen ist das nicht so schwer :-).

Die Gegend ist ausserdem bekannt für ihre Andenkondore, die an einem speziellen Punkt am Canyon hervorragend zu fotografieren sind. Leider nicht zu dieser Jahreszeit. Aber auch ohne Kondore soll die Gegend sehr schön sein.

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Die Strasse ist in halbwegs gutem Zustand, aber natürlich nicht durchgehend asphaltiert.
Bald kommen wir zu den ersten Baustellen und müssen uns durch einigen Schlamm wühlen um durch zu kommen.

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Aber auch das schaffen wir ohne Zwischenfälle. In einem kleinen Ort gibt es einige Souvenir-Stände an dem die Busse halten und die zahlreichen Touristen auszuspucken, die dort Krimskrams kaufen können oder sich gegen Entgelt mit Raubvögeln oder Lamas fotografieren lassen.

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Wir bleiben nur kurz und fahren auch ohne Einkäufe weiter. Es gibt immer wieder nette Miradores, die zum Fotografieren einladen. Nach und nach überholen wir die Touristenbusse und kommen schliesslich am Hauptaussichtspunkt an, wo zur richtigen Jahreszeit die Kondore aus dem Canyon aufsteigen. Nur ist es wie gesagt nicht die richtige Zeit, also kommen auch keine Vögel :-). Trotzdem ist die Gegend sehr schön und war den Abstecher allemal wert.

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Jetzt geht es wieder zurück, wir haben doch noch viele Kilometer vor uns. Auf dem Rückweg sehen wir einen Stein, der vorher definitiv noch nicht auf der Strasse lag. Da haben wir wohl Glück gehabt, das er nicht heruntergefallen ist als wir die Stelle passiert haben.

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Auch das Wetter bleibt uns hold und wir können die Landschaft in vollen Zügen geniessen.

Nach insgesamt zwei Stunden kommen wir wieder an unserer Pension Tradition de Colca vorbei und fahren gleich weiter zum fast 5000 Meter Pass vom Vortag. Auch an Imata kommen wir wieder vorbei und wie auch schon zuvor wird hier das Wetter schlechter. Es gibt einen heftigen Hagelschauer und die Strasse ist von Eiskörnern bedeckt. Zum Glück hört es bald wieder auf und wir können wieder schneller fahren.

Nicht weit vom Titicacasee zeigt unser Navi eine Abkürzung. Nach ein paar Kilometern verliert sich die Strasse und wir stehen einsam in der Pampa. Ein Pickup mit Einheimischen hält an und fragt, was wir hier suchen. Auf die Frage nach dem Weg nach Puna bekommen wir ungläubiges Kopfschütteln und die Antwort, dass es hier nicht mehr lange weitergeht. Also wieder zurück auf die Hauptstrasse und dann einen grossen Bogen Richtung Juliaca. Die Stadt ist zwar nicht klein, aber so ziemlich der hässlichste Ort den wir in ganz Peru gesehen haben.

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Die Strassen im Ort bestehen nur aus Schlaglöchern und wir sind froh Juliaca wieder hinter uns zu lassen. Nach knapp 50 Kilometern landen wir endlich in Puno, einer grösseren Stadt direkt am See. Unser Hotel sieht auch recht vernünftig aus aber der Parkplatz ist ca. 1 Kilometer entfernt. Ein Hoteldiener schwingt sich zu mir aufs Moped und weisst mir den Weg dorthin. Zumindest ist der Platz bewacht, sodass Berta ohne Sorge dort bleiben kann. 400 Kilometer sind wir heute gefahren und waren über 8 Stunden unterwegs.

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Tag 215 – Arequipa zum Colca Canyon

Nach dem wir wieder ausgeruht und aufgewärmt sind, wollen wir noch einen weiteren Versuch zum Colca Canyon starten. Gegenüber dem Versuch vor 3 Tagen haben wir diesmal auch eine Unterkunft reserviert.

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Auch sind es heute nur 168 Kilometer und die Sonne scheint wie in den letzten Tagen. Wie bei der Ankunft geht es eine Zeitlang bis wir uns aus dem Gewusel der Stadt befreit haben. Aber nach einer halben Stunde sind wir draussen und frisch getankt kann es wieder bergauf gehen.

Wir fahren schöne, kurvige, asphaltierte Strassen ständig nach oben. Nach 65 Kilometern überschreiten wir wieder die 4000 Meter und kommen wieder einige Kilometer auf eine Hochebene. Wir durchqueren einen Nationalpark, der dazu einlädt anzuhalten und Fotos zu schiessen.

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Wir sehen auch wieder Guanacas, die wild lebenden Kamele der Anden.

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An einer Baustelle müssen wir ein Päuschen einlegen, Zeit um unsere mitgenommen belegten Brötchen zu verzehren. Dann geht es weiter. Baustellen haben den Vorteil, dass man den ganzen Verkehr ohne Anstrengung überholen kann.

IMG_1285Die Strasse windet sich weiter nach oben bis wir den für uns höchsten Punkt in Peru erreicht haben. Das Navi zeigt 4887 Meter an. Wer glaubt, dass diese Höhe menschenverlassen ist, der irrt.  Auch sitzen einige Indiofrauen, die Ihre selbst gemachten Pullover und andere Souvenirs feil bieten.

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Wir verweilen nicht sondern fahren nun wieder bergab zum Colca Canyon. Im Tal angekommen werden wir durch eine Schranke gestoppt. Wir müssen Eintritt bezahlen um die Region überhaupt betreten bzw. befahren zu dürfen. 20 Euro ärmer machen wir uns auf die letzten Kilometer bis nach Yangue, einem kleinen Ort an dessem Rand unsere Unterkunft liegt. Tradicion Colca nennt sich das Hostal und ist ein echter Glücksgriff. Betrieben wird sie von einigen Franzosen, die es geschafft haben eine sehr gemütliches Heim inclusive tollem Essen zu schaffen.

Es wird auch eine Wanderung am Nachmittag angeboten, die wir aber aufgrund der aufziehenden Wolken lieber auslassen. Unser Bauchgefühl gibt uns recht. Kaum ist die Gruppe losgelaufen, öffnet der Himmel seine Pforten und es schüttet mal wieder wie aus Eimern.

Tag 214 – Arequipa

Schönes Wetter, durch die Altstadt streifen und Kaffee trinken, was will man mehr. Eigentlich wollten wir noch etwas mehr, denn heute stand auch der Besuch in einem berühmten Kloster auf dem Plan. Jedoch nicht auf dem Plan der Mönche, die das Kloster an Sonntagen geschlossen halten.

Dann eben nicht, die Altstadt ist auch ohne Kloster hübsch.

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Tag 213 – Silvester, von Imata nach Arequipa

Wir haben überlebt und werden mit Sonnenschein belohnt :-).

In der Gaststube sitzen schon die ersten Gäste. Meist LKW Fahrer, die Caldo essen, eine heisse Suppe mit Hühnchen oder Rind.

Ich bin der festen Überzeugung in einem der Teller einen Unterkiefer von einem Lamm oder Lama gesehen zu haben, was mich davon abhält hier ebenfalls Caldo zu essen. Ulli ist jedoch sicher, dass sowas nicht in eine normale Caldo gehört … aber was ist schon normal.

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Wir trinken beide heissen Tee und essen süsse Teilchen aus der Packung. Wir ändern auch die Route und beschliessen heute nach Arequipa zu fahren, einer grösseren Stadt die nur 130 Kilometer entfernt ist. Und nach den fast 9 Stunden Fahrt von gestern hoffentlich auch viel schneller zu erreichen ist.

Zuerst will ich Berta aus dem Hinterhof befreien, in dem sie die Nacht verbracht hat. Leider fangen hier schon die ersten Probleme an, da der Motor nicht anspringen will. Zum Glück ist die Batterie gut geladen und ich kann den Anlasser sehr lange laufen lassen bevor der Motor erste Lebenszeichen von sich gibt. Eher untypisch für einen Einspritzer muss ich mit dem Gas spielen bis dann schliesslich der Zweizylinder anfängt zu arbeiten. Noch mal Glück gehabt, ob es am schlechten Sprit oder an der Höhe liegt habe ich nie herausgefunden. So fahr ich das Moped vors Hotel und lasse den Motor noch eine Weile laufen, bis er warm genug ist um nach dem Beladen gleich wieder anzuspringen.

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Links und rechts der Strasse sehen wir noch etwas Schnee liegen, der letzte Nacht gefallen ist. Wir sehen wieder Alpacas und auch wildlebende Dromedare, die wir auch vorher immer wieder angetroffen haben. Nach 70 Kilometern sind wir wieder unter 4000 Meter und nach knapp 3 Stunden kommen wir in Arequipa an …  auf sauerstoffreichen 2200 Metern Höhe :-).

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In Aerquipa gibt es ein paar nette Sehenswürdigkeiten, die wir jedoch auf den morgigen Tag verschieben. Wir sind auf wieder in einer Touristenregion und entsprechend gibt es Cafes und Restaurants en mass.

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Heute ist auch Sylvester, aber die Geschäfte haben trotzdem bis spät abends geöffnet. Überall gibt es Strassenverkäufer, die alle möglichen Artikel in gelb verkaufen, von Fahnen, Halsketten bis zu gelber Unterwäsche ist alles geboten. Von der Dachterrasse unseres kleinen aber sehr netten Hotels können wir die ganze Stadt überblicken und sehen viele Feuerwerke, wie bei uns zuhause und auch überall sonst auf der Welt :-).

Tag 212 – Gestrandet in Imata

Nach einigen Tagen ohne Moped werden wir schon ein wenig kribbelig und freuen uns, dass es heute weitergeht. Das Wetter ist prima und die Sonne lacht … was wollen wir mehr.

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Für heute haben wir den Colca Canyon geplant, wir wollen nach Chivay fahren um dann am nächsten Tag Andenkondore zu suchen. Allerdings liegen noch einige Kilometer vor uns, laut Navi sind es 386 Km bis zum Ziel. Dabei haben wir auch noch die kürzeste Route gewählt, welche durch die Berge führt anstatt etwas weiter auf der Hauptstrasse zu fahren.

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Von Cusco, das auf 3400 Meter liegt, geht es die ersten 40 Kilometer noch etwas bergab und anschliessend stetig bergauf. So sind wir bald wieder auf über 4000 Metern und freuen uns über die tolle Landschaft, die uns begleitet. Nicht lange und wir verlassen die asphaltierte Strasse, aber trotz Schotter kommen wir zügig voran. In der Ferne sehen wir jedoch dunkle Wolken, die uns aber nicht stören. Kurz sind wir auf 4400 Meter, dann geht es wieder etwas nach unten. Die Wolken sind jetzt um einiges näher also vorher.

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Mit den Wolken kommt auch die Kälte. Bin ich vorher noch ohne Handschuhe gefahren, fängt es jetzt so richtig an zu frösteln. Noch dazu beginnt es leicht zu regnen. Prima, hatte der Tag doch so schön angefangen. Auch rennt die Zeit viel schneller als gedacht. Wir haben schon Nachmittag und unser Ziel ist noch weit entfernt. Wieder fahren wir nach oben und es wird noch kälter, auch der Regen nimmt zu.

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Wir halten an und holen Daunenjacken und Winterhandschuhe aus dem Gepäck. Dabei zittern meine Finger schon so stark vor Kälte, dass ich kaum die Taschen wieder schliessen kann. Zum Glück sind wir in der Zwischenzeit wieder auf Asphalt gelandet. Wenn auch auf Kosten der Route, da wir etwas vom Weg abgekommen sind.

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Das Navi versucht uns wieder auf unsere ursprüngliche Route zurückzuführen, aber die Wege auf die wir dann abbiegen müssten, sehen nicht wirklich vertrauenserweckend aus. So bleiben wir bei mittlerweile strömenden Regen und einbrechender Dunkelheit auf der asphaltierten Strasse. Wir haben auch mit 4777 Metern einen neuen Höhenrekord. Dafür ist es aber schweinekalt. Auf der Moped-Anzeige erscheint Glatteis-Warnung, da die Temperatur auf fast 0 Grad gefallen ist.

Wir werfen unser Tagesziel über den Haufen und beschliessen die nächste Möglichkeit für eine Übernachtung in Anspruch zu nehmen. Was in dieser Gegend eine echte Herausforderung ist. So kommen wir nach Imata, einer Kreuzung in den Bergen mit ein paar Häusern und einer Tankstelle.

Auf Nachfrage erklärt uns der Tankwart, dass es ein Hostal im Ort gibt.
Es gibt sogar zwei und wir wählen das mit einem Restaurant im Erdgeschoss. Wir Glück haben Glück und es gibt noch ein freies Zimmer für uns und auch Berta kann in einem Hinterhof in der Nachbarschaft sicher pausieren.

Wenn ich Restaurant schreibe, erweckt das wahrscheinlich eine komplett andere Vorstellung als die Realität. Wir befinden uns immer noch auf 4500 Meter, es ist kalt und das ganze Haus besitzt keine Heizung.

Das Mädel, dass uns das Zimmer vermietet ist auch die einzige Bedienung im Restaurant. Es gibt heissen Cocatee und ein Gericht zur Auswahl. Obwohl es wirklich kalt ist, kommen immer wieder Gäste ins Lokal, die in schöner Regelmässigkeit auch noch die Tür nach draussen offen stehen lassen. Die Bedienung hat sich in zwei Decken eingewickelt und schaut Fernsehen während in der Küche das Essen zubereitet wird.

Der Preis hier oben ist natürlich unschlagbar günstig und wir sind froh überhaupt etwas gefunden zu haben. Obwohl unser Zimmer ebenfalls keine Heizung hat, gibt es genügend warme Lamadecken, die uns vor dem Erfrieren bewahren.

Mitten in der Nacht werde ich wache, weil mir die Füsse kribbeln … ein sicheres Zeichen für Sauerstoffmangel. Auch Ulli wird wach, weil sie keine Luft bekommt. Als erstes machen wir die Tür auf, um mehr Luft in den Raum zu lassen. Die Fenster lassen sich nicht öffnen, aber zur besseren Abdichtung wurde Papier zwischen zwei Scheiben gestopft, das ich auch wegnehme. Mit der offenen Tür und etwas frischer Luft von draussen wird es dann wieder etwas besser und wir können mehr oder weniger schlafen und die Nacht überstehen.

Tag 211 – Cusco

Zum Glück hatten wir unseren Aufenthalt in Cusco um einen Tag verlängert um nicht erschöpft von gestern wieder aufs Moped steigen zu müssen.

Ich habe auch noch eine Session beim Chiropraktiker, der trotz seines freien Tages extra in die Praxis kommt um mich zu behandeln. Als Gegenleistung erklären wir ihm, wo und wie wir unseren Trip zum Machu Picchu gebucht haben. Der junge Arzt, habe leider seinen Namen vergessen, lebt in Chicago und macht nur ein paar Wochen Urlaubsvertretung in Peru. Er erzählt, dass er hauptsächlich Urlaubsvertretungen macht und sich so den Stress einer eigenen Praxis erspart. Wir lassen den Tag in Cusco in Ruhe ausklingen und bereiten uns auf die Weiterfahrt vor. Wir finden sogar einen Schuhputzer, der unsere Motorradstiefel für umgerechnet 2 Euro wieder auf Vordermann bringt.

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Auch der Muskelkater von gestern hält sich in Grenzen. Wir kaufen noch eine Landkarte von Bolivien, wo wir in den nächsten Tagen auch noch hin wollen.

Erwähnenswert ist auch die Polizei in Peru. Der Frauenanteil erscheint extrem hoch und die Auswahlkriterien beziehen mit Sicherheit auch die Optik mit ein. Doch man soll sich nicht täuschen, so hübsch die Mädels aussehen so hart gehen sie vor, wenn sie einen Verkehrssünder erwischt haben.

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Aber nicht nur die Polizistinnen sind nett anzusehen, auch die Trachten in Cusco und Umgebung sind ein Hingucker, da sie uns ein wenig an Lampenschirme erinnern.

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Tag 210 – Machu Picchu

Es ist 4:30 als der Wecker klingelt, oh mann ist das wirklich notwendig??

Als wir um halb 6 zur Bushaltestelle kommen, steht schon eine 100 Meter lange Schlange im strömenden Regen.

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Regen? Genau …. gestern hat noch die Sonne gelacht und heute morgen regnet es, aber wir haben keine Wahl. Heute Nachmittag fährt der Zug zurück und unser Ticket für Machu Picchu gilt auch nur heute.

Zum Glück gibt es sehr viele Busse und wir rücken in der Schlange schnell nach vorne. Wir haben sogar kurz überlegt zu laufen, was keine gute Idee gewesen wäre, denn die Busfahrt geht einige hundert Höhenmeter bergauf. Als wir dann um 7.00h oben angekommen und eingelassen worden sind, hat auch der Regen aufgehört und wir haben eine gute Sicht.

Wir sehen endlich live, was wir nur aus Bildern kennen und das lohnt sich wirklich. Die Anlage ist riesig, das Beeindruckendste ist jedoch die tolle Lage. Wir sind umgeben von steilen Bergspitzen. Wirklich erstaunlich wie die Inkas das alles vor hunderten von Jahren hier aufbauen konnten.

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Ohne Trampolin … dafür bin ich gleich verwarnt worden, dass Springen die heilige Stätte stört.

Als wir die Tickets gekauft hatten, gab es zwei Zusatzoptionen, den Huayna Picchu und den Machu Picchu Mountain. Ersteres war schon ausgebucht, so das wir den Mountain dazu gebucht hatten ohne genau zu wissen was uns erwartet. Huayna Picchu ist der steile Berg, den man auf den meisten Machu Picchu Bildern sieht.

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MP Mountain ist der Berg auf der gegenüberliegenden Seite. Hier gab es zwei Möglichkeiten Zugang um 7:00 Uhr und um 9:00 Uhr, zum Glück war nur die Zweite verfügbar. So kommen wir pünktlich um 9:00 am entsprechenden Gate an.

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Dort werden wir registriert und bekommen gleich gesagt, das um 12:00h der Gipfel geschlossen wird und jeder, der es noch nicht geschafft hat, umdrehen muss. Na denn, unbekümmert laufen wir los.

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Es geht sehr steil auf Treppenstufen bergan. Und nicht nur steil, die Stufen sind meist auch direkt am Abgrund so das man schwindelfrei sein sollte. Nachdem wir am Anfang noch zusammengelaufen sind, entscheiden wir uns nach einiger Zeit, das jeder sein eigenes Tempo gehen soll, um es uns so etwas einfacher zu machen.

War es anfangs schon steil, steigert es sich später nochmals um ein gefühltes Vielfaches. Es sind einige Leute unterwegs, aber man sieht auch immer wieder Menschen, die aufgeben, da es zu anstrengend wurde. Nach etwas über einer Stunde habe ich es dann geschafft und bin auf der 3000 Meter hohen Spitze angelangt und total fertig.

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Der gesamte Aufstieg beträgt fast 600 Höhenmeter und die hatten es wirklich in sich. Um ehrlich zu sein, hatte ich auch meine Zweifel, dass Ulli das mit Ihrem Asthma schaffen wird. Aber sie ist willensstark und zäher als gedacht, so kommt auch Ulli nach 1 Stunde 30 Minuten oben auf dem Gipfel an.

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Leider hat es sehr viel Nebel und wir haben nicht viel von der Aussicht. Aber das Gefühl den Berg bezwungen zu haben zählt mehr!

Nach ausgiebiger Rast machen wir uns auf den Rückweg. Auch bergab ist anstrengend, da man auf jeden Schritt auf den zum Teil glatten Stufen achten muss um nicht in die Tiefe zu stürzen.

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Angels Landing im Zion National Park war schon ein extrem anstrengender Aufstieg, aber das hier hat uns noch etwas mehr abverlangt.

Wieder unten angekommen reihen wir uns wieder in einer ewig langen Schlange ein, um einen Bus zurück nach Agua Calientes zu bekommen. Aber wir warten gerne um uns fahren zu lassen anstatt den weiteren Abstieg zu Fuss zu unternehmen.

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Bei Regen kommen wir dann auch endlich in Agua Calientes an und überbrücken bei einem diesmal günstigen Kaffee die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges.

Nach 4 Stunden kommen wir wieder in der Zugstation von Cusco an und halten Ausschau nach unserem schon vor reservierten Taxi. Dummerweise sind wir nicht durch den Bahnhof gelaufen sondern haben wir eine Abkürzung aussen rum genommen und haben dann auf dem überfüllten Vorplatz niemanden gefunden. Also nochmal zurück durch das Gewusel in den Bahnhof. Tatsächlich steht da unser Chauffeur und hält ein Schild mit meinem Namen hoch. So brauchen wir nicht wie die meisten anderen den Kampf um ein freies Taxi aufnehmen.

Tag 209 – Mit dem Zug nach Aguas Calientes

Es ist soweit 🙂 Wir fahren zum Machu Picchu!

Erst mal zumindest nach Agua Calientes, den Ort der den Zugang zu der berühmten Inkastätte bietet . Sehr früh am Morgen müssen wir aufstehen und dann bringt uns ein Taxi zur Bahnstation. Man kann leider nicht mit dem eigenen Fahrzeug nach Agua Calientes fahren, sondern muss entweder wandern oder den Zug nehmen. Da wir keine Lust auf den fünftägigen Inkatrail haben, wählen wir den Zug. Wir haben auch schon vor einiger Zeit schon reserviert, denn Machu Picchu ist ein sehr beliebtes Ziel.

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Die Zugfahrt ist sehr angenehm, aber auch ziemlich teuer. So bezahlen wir pro Kopf 150 Dollar trotz 25 Prozent Discount. Die Fahrt geht rund 4 Stunden und es gibt sogar etwas zu Essen. Gegenüber von uns sitzt ein amerikanisches Geschwisterpaar und der Bruder leidet massiv unter Kopfweh aufgrund der ungewohnten Höhe. Dabei geht es sogar noch etwas bergab, Agua Calientes ist nur noch auf 2000 Meter. Im Ort haben wir uns in einem kleinen Hostal eingemietet, damit wir am nächsten Morgen ganz früh zum Machu Picchu starten können.

Das Dorf selbst ist klein und natürlich massiv überteuert, es reihen sich Unterkünfte und Restaurants aneinander. Für zwei Cappuccinos am Hauptplatz zahlen wir unverschämte 14 Dollar. Egal, die Sonne scheint und ich genehmige mir sogar noch eine Massage, die hier zuhauf angeboten werden. Der Preis ist vernünftig und die Behandlung selbst ausgesprochen fachkundig und gut. Wir gehen früh ins Bett, da wir morgen in aller Herrgottsfrüh zum Machu Picchu wollen.

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Die Bustickets dorthin haben wir schon in Cusco gekauft, sodass wir hoffentlich nicht lange anstehen müssen.